Weißwurst schneiden oder zuzeln?

Der richtige Verzehr der bayerischen Traditionswurst

Die schmackhafte Brühwurst gehört zu einer echten bayerischen Brotzeit unbedingt dazu. Über die Art ihres Verzehrs allerdings lässt sich diskutieren – oder auch nicht.

Das Besondere an der Weißwurst

Mehr oder weniger zufällig wurde der Überlieferung nach die Weißwurst im Jahre 1857 vom Münchener Metzger Joseph (Sepp) Moser erfunden. Die original Münchener Weißwurst besteht aus ungepökeltem Kalbfleisch, Kalbskopffleisch, Speck, Schwarte, Eischnee, Zwiebeln und Gewürzen wie Petersilie, Kardamom, Pfeffer und Zitronenpulver. Gefüllt wird sie in Schweinedärme. Vor dem Verzehr wird die Weißwurst überbrüht, dann heiß zusammen mit Brezeln und süßem Senf serviert. Traditionsgemäß trinkt man Weißbier dazu.

Die WEißwurst ist eines der beliebtesten Speisen auf dem Oktoberfest

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Mit Messer, Gabel oder nur mit dem Mund?

Natürlich kann jeder seine Weißwurst essen, wie es ihm gefällt. Fragt man jedoch einen echten Bayern, so lautet die Antwort: „Zuzeln!“
Mit dem Zuzeln (auch Zuzzeln oder Zutzeln) ist das Aussaugen des Wurstinhaltes gemeint. Dazu benutzt man kein Besteck, sondern öffnet die Wurst mit Daumen und Zeigefinger, tunkt sie in den Senf und zieht den Inhalt mit den Zähnen aus dem Weißwurst Darm, der auf Grund seiner Dicke nicht mitgegessen wird. Wenn es dabei aus dem Mund tropft, darf man sich getrost mit dem Handrücken darüber wischen – diese Geste gehört zum Weißwurstessen einfach dazu.
Wem dies unappetitlich erscheint, greift lieber zu Messer und Gabel. Dazu löst man den Weißwurst Darm, indem man ihn an der Oberseite der Wurst mit dem Messer einritzt und dann die Füllung verzehrt. Diese Vorgehensweise wird mehr oder weniger scherzhaft auch als „barbarisch“ bezeichnet. Ein absolutes No-Go, fast schon eine Beleidigung, ist die Frage nach französischem Senf oder gar Ketchup.

Vom richtigen Zeitpunkt

Weißwürste sollten möglichst frisch verzehrt werden. Da in früheren Zeiten die geeigneten Kühlmöglichkeiten fehlten, wurde der Verzehr bis zur Mittagszeit empfohlen. Die Wurst wurde ansonsten unansehnlich. Eine Weisheit, die sich bis heute noch gehalten hat, lautet daher: „Die Weißwurst darf das Zwölfuhrläuten nicht hören“.
Tradition hin oder her – die Weißwurst wird auf dem Oktoberfest rund um die Festtagsuhr serviert und schmeckt auch abends noch hervorragend.